Meine Mutter hatte einen Koffer voll Wäsche und
Kleidungsstücke mitgebracht, damit ging ich zur
Wohnung meines Chefs Mendel Wertheim in der
Bahnhofstraße. Dort habe ich den Dreck
runtergekratzt, denn man konnte sich ja im KZ
Buchenwald nirgends waschen. - Ich ging dann
gegen Abend zur Bahn. Unterwegs wollte ich
mich im Zug nach Genua mit meinem Bruder
Theo treffen. Meine Mutter hatte auch eine
Schiffskarte für Theo gekauft, der im
Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert
war und daraufhin wie ich entlassen wurde. Der
Zug fuhr über die Grenze am Brenner-Pass nach
Italien, nach Genua. Die Grenzkontrolle war
natürlich auch noch mit großer Angst verbunden,
es könnte im letzten Moment noch irgendwas
dazwischen kommen. Aber alles ging gut.
Manfreds Reisepass, der seit Oktober 1938 nur noch gültig
war, wenn ein großes rotes J für Jude eingestempelt wurde