Manfred Braunschweiger erinnert
sich:
"Am Morgen des elften November 1938
wurden wir mit Lastwagen von Burg-haun nach Kassel geschafft. Von dort
gings dann mit der Bahn weiter. In
Weimar wurde es sehr brutal. Nach
Verlassen des Zuges prügelte die SS
wild drauflos. Um Mitternacht kamen
wir per Lkw im KZ Buchenwald an und
wurden gleich in die Baracken einge-wiesen. Wir kamen in die Baracke 4A.
Im KZ-Lager herrschten fürchterliche
hygienische Zustände. Es war sehr
feucht und kalt, und das Liegen auf den
Brettern schmerzte sehr. Es gab nicht
genügend Sträflingskleidung für uns
Neuankömmlinge, und man wusste
eigentlich überhaupt nichts mit uns an-zufangen. Wir wurden geschoren und
geschlagen, dabei wechselte sich die
SS ab. Man schlug uns als Strafe für
irgendwas, reine Willkür. Aufhängen an
den Handgelenken, Prügeln auf dem
Folterbock - das war an der
Tagesordnung. Ganz besonders
quälend war der Durst, denn es gab
nicht genügend Wasser und die Luft
war voll von dem aufgewirbelten
Staub. Ich hatte eine Tasse dabei, die
mir meine Mutter mitgegeben hatte,
ich weiß gar nicht warum. Damit fing
ich die Wassertropfen auf, die von der
Teerpappe durch einen kleinen Schlitz
herunterliefen. Es entstand ein richtiger
Kampf um diese paar Tropfen.
Manfred musste
mit dem
gesamten
Lager morgens
und abends,
manchmal auch
mittags, zum
Zählappell
antreten, was
Stunden dau-ern konnte und
bei den eisigen
Novemberstür-men auf dem
Ettersberg eine
Tortur war.