Als noch keine jüdische Gemeinde in Bad Hersfeld existierte und da auch noch kein jüdischer Lehrer eingestellt war, besuchten die Kinder öffentliche Schulen. Zum 01.01.1878 wurde der jüdische Lehrer Moses Nussbaum eingestellt, da die Zahlen der Kinder schnell anwuchs. Er unterrichtete zunächst in der Unteren Frauenstraße 8 (s. Nr. 24) und in der Rittergasse 7 (s. Nr. 15), wo ihm jeweils ein Raum zu Unterrichtszwecken zur Verfügung stand. Der Unterricht fand in der Synagoge statt. Im April 1895 baten die Gemeindeältesten Levi Stern und Levi Löwenberg den Bürgermeister um die Baugenehmigung für ein Schulhaus am Vogelgesang 3.
Diese muss zunächst abgelehnt worden sein, da am
23.11.1895 ein erneuter Bauantrag beim Bürgermeister einging. Auch
dieser Antrag wurde abgelehnt. Trotzdem gab die Gemeinde am 11.06.1896
zum Zeitpunkt der Einweihung der neuen Synagoge in einer Anzeige der
Hersfelder Zeitung bekannt, dass der Neubau einer Schule mit Wohnung
und Nebengebäuden geplant sei. Dieses Schulhaus wurde am 03.08.1898
eingeweiht. Wie die Synagoge wurde das Schulhaus mit roten Backsteinen
gemauert und hatte ebenfalls neuromanische halbrunde Fenster. Im ersten
Stockwerk befand sich die Dienstwohnung des Lehrers, im zweiten war
der Boden. Die Schul- und Umkleideräume für 56 Schüler
befanden sich im Erdgeschoss, genauso wie die Toilette, Umkleide- und
Reinigungsräume für die Benutzer des rituellen Tauchbades.
Im Keller gab es weiterhin noch Vorratsräume zur Einlagerung von
Nahrungsmitteln, die Heizung, die technischen Einrichtungen und die
Heizmaterialien. Neben der Schule war noch ein kleines Wirtschaftsgebäude,
in dem sich die Toiletten für die Schüler und ein Raum für
einen Leichenwagen befanden.
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