Um zehn Uhr morgens sehen Marga und Manfred mit Entsetzen, wie
ihr schönes Gotteshaus in Flammen aufgeht und völlig ausbrennt. Wer
weiß, ob sie nicht mit der Mutter aus dem Haus fliehen. Funken sprühen
herüber und Qualm dringt in die offenen Fenster. Die Nazis haben ja in
der Nacht sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen. Und der Vater
wurde verhaftet! Schon um 7 Uhr früh ist er mit den anderen jüdischen
Männern ins Gefängnis gesteckt und später ins Konzentrationslager
abtransportiert worden!
Viele Juden flüchten nach diesen schlimmen Gewaltakten aus
Deutschland. Auch Manfred bekommt Gelegenheit, mit einem
Kindertransport nach Holland zu entkommen. Aber Vater Strauß, der
inzwischen wieder aus dem KZ Buchenwald freigekommen ist, will
nicht, dass die Familie noch mehr auseinandergerissen wird. So
bleiben sie in Burghaun und hoffen auf eine gemeinsame Flucht.
Für Marga und Manfred und die anderen Daheimgebliebenen hat sich
das tägliche Leben sehr verändert. Nichts ist mehr wie früher! Der
Sabbat und die Festtage können nicht mehr nach den religiösen
Vorschriften gefeiert werden, denn es fehlt jetzt an allem. Die schöne
Synagoge ist ein Trümmerhaufen, und man muss sich zum Gottesdienst
in den Wohnungen treffen. Der völlig zerstörte Schulsaal ist
unbrauchbar, daher erteilt Lehrer Adler Marga und Manfred und zwei
weiteren Schulkindern aus Burghaun noch etwas Unterricht im
Elternhaus. Doch im Sommer 1939 ist es auch damit vorbei, die
Schule wird endgültig geschlossen.
Synagoge von
der Rückseite -
nach der
Kristallnacht"