Ghetto Riga ... 

Nach dem Überfall der Wehrmacht im Juni 1941 traten in der Sowjetunion die gleichen  Ver-hältnisse ein wie in dem besetzten Polen. Mit äußerster Gewalt wurde die jüdische Bevölkerung eines jeweiligen Ortes in einen bestimmten, später abgezäunten Wohnbezirk gezwängt - das Ghetto: Gefängnis für Tausende, Durchgangsstation auf dem Weg in den Tod. Für viele Insassen der unzähligen großen und kleinen Ghettos bedeutete dieser Ort wegen der unbeschreiblichen Zustände -drangvolle Enge, mangelnde  hygienische Einrichtungen, Hunger, Winterkälte, Krankheit, Seuchen sowie Erschießungen und Hinrichtungen- oft auch die letzte Station. Die Sterblichkeitsraten stiegen enorm an, die Juden waren von der  Außenwelt  abgeschnitten und ihrer letzten Habseligkeiten beraubt.
Anfangs konnten die ghettoisierten Menschen noch an ihren Arbeitsplatz im jeweiligen “arischen” Stadtteil gehen, bis die deutschen Besatzer eines Tages das Ghetto komplett abriegelten und jeder Versuch, es ohne Erlaubnis zu verlassen, mit dem Tode geahndet wurde. Arbeitsfähige, die keine Arbeit im Ghetto selbst hatten, trieb die SS morgens in langen Kolonnen zu den Arbeitskommandos hinaus und abends wieder ins Ghetto hinein.
Die  Errichtung des Rigaer Judenghettos wurde am 23. August 1941 angeordnet.  Zwei Monate später am 25.  Oktober schlossen sich die Tore hinter den etwa  30000 Rigaer Juden, die nun dicht gedrängt in einem eingezäunten und streng bewachten Teil der früheren “Moskauer Vorstadt” leben mussten. Dieses sogenannte große Ghetto wurde am 30. November und 8. Dezember 1941 vernichtet, wobei der größte Teil seiner Bewohner in einen Wald bei Rumbula getrieben und dort erbarmungslos umgebracht wurde. Das gesamte Lager verkürzte man in östlicher Richtung und zerteilte es in zwei durch Stacheldraht voneinander abgegrenzte Ghettos zu beiden Seiten der Hauptstraße. Eine größere Zahl  Männer hatte man vor dem Massaker zur Arbeit ausgesondert und  in den Behausungen nördlich der Hauptstraße, dem sogenannten Kleinen Ghetto zusammen getrieben. In dem größeren Teil südlich der Hauptstraße (Leipziger Straße), der erst nach dem 8. Dezember restlos "geräumt" wurde, begann man nun die ausländischen Juden unterzubringen, hauptsächlich Juden aus Deutschland - daher die Bezeichnung “Reichsjudenghetto”. Die Straßen wurden nach Herkunftsorten der Transporte benannt.