Durch Josephs Brief vom 1.11.1945 an seine ebenfalls gerettete Schwester Paula Kuhn und deren
Nichte (z.Z. in einem Flüchtlingslager in Frankreich) erfahren wir Einzelheiten, wie sich die
Familienangehörigen wieder finden und gegenseitig unterstützen:
Heute erhielten wir Deine Karte liebe Paula v. 24.10. u. wundere ich mich, daß
Du in Postverlegenheit von uns bist. ... Im letzten Brief schrieb ich Euch, daß
unser Alfred und Gertrud mit einem Kindertransport nach hier gekommen sind;
sie waren dann erst 3 Wochen in Quarantäne und sind seit 14 Tagen bei uns.
Beide sind sehr groß geworden. Alfred hat uns sofort wieder erkannt, jedoch
Gertrudchen nicht; es sprach anfangs nur Holländisch. Inzwischen haben sie
sich bereits gut eingelebt. Heute haben wir Gertruds 11. Geburtstag gefeiert. Es
ist groß beschenkt worden, fast jeder vom Haus brachte ihm etwas; dann war
großer Kaffeeklatsch. Über 20 Leute waren da. Die Hausmutter brachte einen
großen Kuchenkranz. So einen Geburtstag hatte es lange nicht erlebt.
Von unserer l. Milly haben wir leider weiter nichts gehört. Auf meine Anfrage
wurde vom Bureau voor Oorlogspleeg Kinderen, Heerengracht 410-412
Amsterdam folgendes mitgeteilt: "Zu unserem Bedauern müssen wir Ihnen
mitteilen, daß von Ihrer Tochter Emilie Strauss geb. 23.3.27 weiter keinerlei
Nachrichten zu ermitteln waren.