England  9. Jan. 1945

Lieber Herr und Frau Wertheim,

es war gerade am anderen Tag, dass ich Ihren Brief vom 28. Nov. erhielt. Sie sehen, ich verließ meine Organisation im November aufgrund einer leichten Erkrankung,  und meine Post musste mir nachgesandt werden. Gerade im  Moment  warte ich auf ein Schiff,  das mich nach Hause bringt. 
Ich fürchte, aus militärischen Gründen kann ich Ihnen Alfreds  Adresse jetzt noch nicht geben. Ich hoffe, dass ich das tun kann, sobald ich in den Staaten ankomme. In der Zwischenzeit habe ich Alfred die guten Nachrichten geschrieben und hoffe, dass meine Post ihn erreicht. In meinem Brief gab ich ihm Ihre Adresse und forderte ihn auf,  Ihnen zu schreiben.
Als ich ihn verließ lebte er bei wirklich  wunderbaren  Menschen, in deren  Haus er akzeptiert ist wie ein Mitglied der Familie. Er ist ein gutaussehender Junge und schien in guter gesundheitlicher Verfassung zu sein.   
Natürlich leidet er wie jedermann sonst in Holland an Unterernährung und Mangel an Kleidung sodass ich vorschlagen würde, Sie versuchen, ihm Nahrungsmittel zu schicken: Vitaminpillen und Kleidung, sobald ich Ihnen seine Adresse geben kann.
  
To:   Mr. u. Mrs Hermann Wertheim
168 Palm Ave
San Francisco 18 Cal, USA
  
From:   Lt. A. Lipschütz 0-116677/.....
  
Die Werheims wendeten sich so schnell als möglich an Arthur Lipschütz, der aber ihren Brief aufgrund seiner Abreise nach England verspätet erhielt und erst am 9.1.1945 beantwortet.