Doch seine Art mit den Nazi-Vorgesetzten umzugehen machte seine subversive Tätigkeit erst möglich.
Bekanntermaßen spielten bei der Verschleppung in den Osten Listen mit den Namen der Gefangenen eine
entscheidende Rolle. Die Erstellung der Listen überließen die Deutschen Suskind und seinen Kollegen, die sich in
dieser Situation zu wagemutigen Experten im Fälschen und Verwischen von Spuren der Entflohenen entwickelten. So
wendeten sie beispielsweise bei den Transportlisten für Westerbork wiederholt folgende Zählmethode an: .. 182, 183,
184, 195, 196 ... und so weiter. Und wenn die Deutschen nicht genau aufpassten oder betrunken waren, ließen sie
die Häftlingsakten der Flüchtigen verschwinden.
Die bei den Verhaftungsaktionen eingelieferten Babys und Kinder bis zum Alter von 12 Jahren wurden in der
Schouwburg von ihren Eltern getrennt und an anderen Orten untergebracht. Die Kleinsten kamen in ein jüdisches
Kinderheim direkt gegenüber dem Theater auf der anderen Straßenseite, das in dem Haus Nr. 31 schon vor der
Besatzung existiert hatte. Die Älteren brachte man in ein anderes Heim.
Ungefähr von Juli 1942 an organisierte der holländische Widerstand gezielte Hilfsaktionen. Die Flüchtigen, die man
aus der Schouwburg, dem Kinderheim oder anderen Einrichtungen herausbringen konnte, brauchten nicht nur eine
Untergrundadresse, sondern auch eine neue Identität sowie andere Kleidung, Lebensmittelkarten und anderes mehr.
Aber wie war es überhaupt möglich, Kinder aus dem Heim heraus zu bringen? Ein "Kurier" (meist eine Studentin)
erschien am Eingang des Kinderheims gegenüber der Schouwburg, um ein Kind zu holen. Auf der anderen
Straßenseite stand aber vor der Schouwburg ein deutscher Wachmann. Also wartete der "Kurier" geduldig, bis eine
Straßenbahn vor der Schouwburg anhielt, genau zwischen den beiden Gebäuden. Dann war gerade genug Zeit, um
mit dem Kind schnellstens zu verschwinden. Auf diese Weise wurden durch die mutigen jungen Leute viele Kinder aus
dem Heim geholt, zu hilfsbereiten holländischen Familien gebracht und gerettet.
Kinder zu verstecken war leichter als Erwachsene. Auf dem Land waren es oft die ärmsten Familien, die ein Kind
aufnahmen, weil sie sich sagten, dass es kaum einen Unterschied machte, außer ihren eigenen noch ein Kind mehr
durchzufüttern. Auch viele Menschen aus streng protestantischen oder katholischen Familien sahen es als ihre
religiöse Pflicht an, einem jüdischen Kind Schutz zu bieten. Für die Kinder selbst bedeutete das "Untertauchen" eine
große Belastung. Außer dass sie zu ganz fremden Menschen kamen, sollten sie ihre Vergangenheit und ihre Namen
vergessen: statt Rosie oder Alfred waren sie jetzt Chrissie oder Willi.