Walter Suskind und die Rettung
jüdischer Kinder in Holland

Das nach dem 18. Juli 1942 zum  Durchgangsgefängnis umfunktionierte Theater Hollandse (Joodse)  Shouwburg wurde von der deutschen Sicherheitspolizei und von Angehörigen der berüchtigten SS bewacht. Der Gefängnisleiter war Ferdinand Hugo Aus der Fünten. Die gesamte ihm unterstehende Belegschaft in dem Schouwburg-Gefängnis bestand aus Juden - natürlich mit Ausnahme des Wachpersonals. Unmittelbar verantwortlich für die jüdischen Beschäftigten war Walter Suskind.  Als Kind holländischer Eltern 1906 in Deutschland geboren und nach dem  Novemberpogrom von 1938 nach Holland geflohen, besaß er die holländische Staatsangehörigkeit, sprach fließend Deutsch und war mit der deutschen Mentalität bestens vertraut. Als Schuljunge war er sogar mit dem Nazi-Vorgesetzten  Aus der Fünten in die selbe Klasse gegangen. Ihm war bewusst, dass er sich in einer idealen Position befand, Juden zur Flucht zu verhelfen, wovon er mit seinen Helfern wirkungsvoll Gebrauch machte.
Außer seinem Engagement für die inhaftierten Erwachsenen in der Schouwburg, wurde Walter Süßkind auch eine der Schlüsselfiguren beim  Organisieren der Kinder-Rettungsaktionen. Jemand, der ihn aus dieser Zeit gut kannte, beschrieb ihn so: 
"Ein Mann mit erstaunlicher Erfindungsgabe, ausgestattet mit Menschenkenntnis und Sinn für Humor. Ein freundlicher Mensch mit einer  großen natürlichen  Autorität, fähig, andere für sich zu gewinnen und zu überreden, ihn zu unterstützen. Er war groß und gut aussehend. Mit seinem blonden Haar und den blauen Augen entsprach er in gar keiner Weise dem Stereotyp von einem Juden."
Sußkind erwarb sich das Vertrauen seines alten Schulkameraden und der Männer, die das  Theater bewachten und knüpfte geheime Kontakte, durch die er holländischen Gin beschaffen konnte, worauf  Aus der Fünten  ganz gierig war.  Er schien einen so freundlichen Umgang mit den deutschen Beamten und Verantwortlichen zu pflegen, dass manche Gefangene Anstoß daran nahmen und ihm nicht so recht trauten.