Vom Theater zum Gefängnis
Die Hollandse Schouwburg -heute eine Gedenkstätte- war ein Theater für Shows und Kabarett,
Adresse: Plantage Middenlaan Nr. 24. Gegen Ende 1941 verboten die deutschen Besatzer den
Juden, sich an öffentlichen Plätzen wie Parks, Cafes und Theatern aufzuhalten. Sie ordneten
an, dass die Hollandse Schouwburg in ein jüdisches Theater umgewandelt werden sollte. Nur
hier wurde es jüdischen Künstlern erlaubt aufzutreten, und nur dieses Theater durften Juden
noch besuchen. Die Eröffnung als Joodse Schouwburg fand am 16. November 1941 mit einem
Sinfoniekonzert mit Werken von Mendelson Bartholdy statt. In dem Orchester spielten zahl-reiche jüdische Musiker, die vorher dem berühmten holländischen Concertgebouw Orchester
angehört hatten.
Zur Aufführung kamen in der Joodse Schouwburg Theaterstücke, Konzerte und Kabarett. Zu
jener Zeit lebten viele jüdische Flüchtlinge aus Deutschland in Amsterdam. Aus diesem Grund
gab man die Aufführungen meistens auf Holländisch und Deutsch. Einer der bekanntesten
Kabarettisten zu der damaligen Zeit war Herbert Nelson, der den Krieg überlebte und später nach
New York ging.
Die letzte Aufführung fand am 18. Juli 1942 statt. Danach wurden die Sitze herausgenommen
und das Auditorium als Sammellager für die verhafteten Juden benutzt. Innerhalb eines Jahres
hielten die Nazis an diesem Ort mindestens 60000 Menschen gefangen, bevor sie in das
Konzentrationslager Westerbork im östlichen Holland und von dort in die Todeslager im Osten
abtransportiert wurden.
Der Kopf der für die Deportationen zuständigen Abteilung war Ferdinand Hugo Aus der Fünten.
Er war besonders stolz auf das Jüdische Theater und bekam sogar Freikarten. Man konnte
diesen Mann, zu dessen Hauptaufgabe es wurde, Juden in den Tod zu schicken, öfters in einer
Vorstellung sitzen sehen - ein ganz normaler Theaterbesucher, nicht in Uniform - mitten unter
seinen späteren Opfern !