Verschleppung nach Riga

Die meisten der zu dieser Zeit noch im Raum Fulda/Hünfeld ansässigen Juden wurden am 8. Dezember 1941 über Kassel nach Riga ins “Reichsjudenghetto” verschleppt - darunter 26 Personen aus dem Kreis Hünfeld. 
In Hünfeld Stadt betraf es:  Joseph Strauß und Ehefrau Lilly geb. Wertheim, deren Eltern Isaac Wertheim und Frieda geb. Wertheim sowie das Ehepaar Isaak Würzburger und Klara geb. Weinberger aus der Brunnenstraße.
Auf der von der Polizei überwachten Fahrt nach Kassel stiegen an weiteren Haltestellen noch zahlreiche Personen zu, sodass die Zahl der Gefangenen auf mehr als 1000 anstieg. In Kassel mussten sie in der Turnhalle einer Schule übernachten und wurden am nächsten Tag in Personenzügen der Reichsbahn in Richtung Osten verladen. Nach vier Tagen im  teils ungeheizten Zug kamen sie bei eisiger Kälte am Güterbahnhof Skirotava außerhalb von Riga an, von wo sie ins Ghetto mehrere Kilometer laufen mussten.


Verschleppung nach Theresienstadt

Am 5. September 1942 wurden die letzten 19 jüdischen Menschen, die  noch im Kreis Hünfeld in größter Not und Isolation lebten, über Kassel in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Danach waren sämtliche Ortschaften des Kreises Hünfeld "judenrein", wie sich die Nazis in ihrer verächtlichen und zynischen Sprache auszudrücken pflegten.
In Hünfeld lebte zu dieser Zeit nur noch das alte Ehepaar Julius Nußbaum und Ida geb. Mann in der Bahnhofstraße 188 im ehemals eigenen Haus in einem kleinen Oberstübchen. Sie, die einst anerkannt und geachtet, Hünfeld und Umgebung mit Getreide und anderen Landesprodukten versorgt hatten, waren zuletzt so verlassen und arm, dass sie nur noch ein Bett und einen Tisch besaßen.