Letzter Brief vor der Deportation 
Lillys Mutter Frieda Wertheim schreibt:

Meine lieben Kinder alle !
Wenn ich auch erst letzte Woche an Euch geschrieben habe, so will ich Euch doch ein paar Zeilen senden. Wir sind Gott sei Dank gesund, und dieses ist vor allem die Hauptsache. Seit dieser Woche geht lb. Vater, Joseph u. Lilly von morgens 7 Uhr bis abends 6 Uhr  in den Wald um Kulturarbeiten zu machen u. so bin ich den ganzen Tag allein u. besorge Küche und Haushalt. Nächste Woche s.G.w. (so Gott will) werden wir umziehen u. zwar zum Kohlenhändler Kohlmann im 3. Stock, ich wollte es wäre erst alles vorbei. (Dieser Umzug fand aber offenbar nicht mehr statt, denn am 8.12. kam die Deportation!)
Mit der Auswanderung hemmt es jetzt sehr. Rosenbergs u. Marx aus Bochum waren schon reisefertig, alles gepackt, ihre Möbel verkauft und kommen nicht weiter.   
Berta aus Nieder-Ohmen, welche im vorigen Jahr nach Frankfurt gezogen, kannst Du jetzt nicht mehr schreiben, da sich ihre Adresse verändert hat, ich weiß dieselbe auch nicht. -
Ja, wenn man alles gewußt hätte, wären wir auch früher ausgewandert, aber vorbei ist vorbei.
Sonst wüßte nichts erfreuliches zu berichten, von lb. Berny sind wir schon sehr lange ohne Nachricht ebenso von lb. Willy, hörst Du schon mal von beiden? Dann schreibe es uns doch mal. Dieser Brief gilt auch für die lieben Forchheimer, es wird mir zu viel, jedem einzeln zu schreiben. Auch für sie recht innige Grüße u. Küsse, ebenso für Euch meine Lieben recht herzl. Gruß und Kuß von Eurer Euch liebenden Mutter u. Großmutter