Gertrude Eckert (*1919) erinnert sich :

Als die Kinder nach Holland gekommen waren in 1939, da kam die Frau Strauss zu  uns nach Fulda. Sie hat so fürchterlich geweint und am ganzern Körper gezittert, dass meine Mutter und ich sie nicht trösten konnten. Wir riefen sofort per Telefon meinen Vater an seiner Dienststelle am Finanzamt an und baten ihn, nach Hause zu kommen, wir wussten uns keinen anderen Rat. Meine Eltern nahmen die Lilly abwechselnd in den Arm bis sie sich nach langer Zeit allmählich beruhigte. Ich hab nie einen Menschen so außer sich gesehen vor Herzeleid.
Ungefähr zwei Wochen bevor Straussens dann in 1941 fort mussten, waren wir noch bei ihnen im Haus,  obwohl eigentlich niemand mehr rein konnte, denn die SA stand  vor der Haustür. Und das funktionierte so: Das Haus dicht daneben in der  Gartenstraße gehörte der Frau Lohrengel. Die ließ abends die Kellertür zu ihrem Hof auf, sodass man in den Hof konnte. Dieser Hof grenzte an Straussens Hof, und es existierte dort immer schon ein Gartentürchen -so ein Verbindungstürchen. Das haben die Nazis aber nicht gemerkt. Die SA stand also vor dem Haus Strauss als  Wache, und wir gingen durch Lohrengels zu Straussens. Es sah so aus, als gingen wir zur  Frau Lohrengel. In Wirklichkeit ging man aber nur durch die Haustür, dann in den Keller runter, durch die Kellertür in den Hof und durch das Gartentürchen von hinten her in Straussens Hof rein. Die SA dachte, man  geht zu Lohrengels. Die konnten das nicht einsehen, denn das war sehr unübersichtlich.
Damals lebte nur noch die alte  Frau Lohrengel, und sie hatte immer ein gutes Verhältnis zur Familie Strauss. Wer als letzter von Straussens rausging - es waren aber nur ein paar Eingeweihte, die das wussten mit dem Durchgang - der schloss die Türe zu. Straussens waren damals schon am Packen gewesen.