Todesmarsch und Errettung
Dort wurden wir in ein Vernichtungslager gebracht und mit netten Worten von der SS
begrüßt: Gesindel, Judenpack, warum hat man euch nicht im Meer versenkt usw. Nur in
diesem Ton wurden wir dort behandelt.
Morgens um 4 Uhr war Wecken, man zog sich im Dunkeln an. Anschließend mussten
wir, nachdem man vollständig steif war vom Liegen auf einer kleinen Holzpritsche
mit zwei Personen, zwei Stunden, oft im strömenden Regen, Appell stehen. Danach
gab es zwei dünne Scheiben Brot und etwas dunkle Brühe, die man Kaffee nannte.
Wir mussten alles im Stehen zu uns nehmen, dann ging es auf Kommando in die Stadt.
Hier machten wir Aufräumungsarbeiten bei den von Fliegerangriffen zertrümmerten
Häusern.
Den ganzen Tag hörten wir nur: Los, los, schneller, schneller! Abends kamen wir
durchnässt und müde an, da gab es in Wasser halbweich gekochte Steckrüben, die wir
dann oft unter Stockhieben empfangen haben.
Die hygienischen Verhältnisse waren dort katastrophal, Wasser zum Waschen gab es
überhaupt nicht. Hatte man sich doch mit großer Mühe etwas beschafft und es wurde
bemerkt, gab es Stockhiebe. Auch
die Männer wurden furchtbar ver-
schlagen. Es hätte keine 14 Tage
mehr gebraucht, und niemand von
uns wäre mehr am Leben gewesen.