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Liquidierung des Rigaer Ghettos
Man fürchtete nun dauernd, dass eine große Veränderung eintreten würde, und so kam es dann auch.  Am 2. November 1943 ging morgens nur ein Kommando aus dem Ghetto zur Arbeit, dieses nannte sich A.B.A. - Armeebekleidungsamt. Alle anderen waren im Ghetto geblieben. Es kam eine Menge lettische SS und trieb die Menschen aus den Häusern heraus auf einen großen Appellplatz. Dort standen viele Lastwagen und mit Maschinengewehren und Pistolen bewaffnete SS. Außerdem war auf dem Platz der Kommandant anwesend mit noch einigen deutschen SS-Leuten. Jetzt wurden die Men-schen wahllos genommen. Von unseren Verwandten gingen mit diesem Transport: Unsere lieben Eltern, Josephs Schwester Berta mit Mann, Selma Wertheim, die Frau von Aron aus Kassel, die Frau von Max Wertheim aus Niedenstein, Licci mit Tochter und Mutter, Frau Lion aus Kassel, Meier Wertheim mit Frau, der Sohn von Onkel Mendel, Bertha Höchster (Tochter von Tante Rosalie aus Kirchhein/Hatzbach) mit Mann und Sohn ... und dann noch sehr sehr viele gute Bekannte. Kleine Kinder kamen restlos weg, nur einigen Eltern gelang es, sie gut zu verstecken. Es war grauenhaft abends zurück in die Wohnungen zu gehen. Die SS hatte auch da wieder alles durchstöbert und geklaut, was nur möglich war. An Schlafen in den darauffolgenden Nächten war nicht zu denken.
Emma, die Schwester von Bertha Höchster, die früher in Hof wohnte, arbeitete bei dem A.B.A.  Sie kam abends nach der Arbeit ganz entsetzt zu uns und blieb dann auch bei uns, bis wir gemeinsam am 6. November mit der Kasernierung A.B.A. zum Mühlgraben bei Riga gingen.