Lebensbedingungen im Ghetto Riga - Überlebensstrategien
Und so gelang es mir dann, dass ich besser für die lieben Eltern sorgen konnte und
auch für Joseph, der nun sehr krank von Salaspils zurück war. Wochenlang lag er
krank, und als er sich dann wieder einigermaßen fühlte, arbeitete er im Innendienst im
Ghetto.
Die Verwaltung des Ghettos lag in jüdischen Händen, natürlich unter ständiger
Kontrolle des Kommandanten. Jede Gruppe hatte einen Ältestenrat, in der Kasseler
Gruppe war es der Transportleiter Dan Blättner. Dessen Frau kennt Ihr auch, eine
Alice geb. Heinemann. Sie hatten in Kassel eine Fellhandlung. Ihre Mutter war auch
mit im Ghetto. Über allen Gruppen stand ein Ältester, dieser war ein Herr Leiser aus
Köln. Dann hatte jede Gruppe einen Arbeitseinsatz, welcher die Leute seiner Gruppe
zu den Arbeiten einteilte, je nach den Fähigkeiten. So lief das Leben 2 Jahre lang mit
öfteren "Abwechslungen" wie zu Anfang ausgeführt!
Meine Arbeitszeit in der Molkerei dauerte ziemlich ein Jahr. Hier habe ich allerdings
die meiste Kraft meiner Nerven eingebüßt, denn die ständigen Kontrollen waren sehr
aufregend. Andererseits war ich glücklich, meinen Leuten, in der Hauptsache den
Eltern, zusätzlich etwas nach Hause zu bringen. Außerdem gab ich Kleinkindern und
Kranken täglich von der mitgebrachten Milch. Später kam ich in andere Kommandos,
auch hier war immer Gelegenheit, etwas mit ins Ghetto zu bringen.
Dann kam von Berlin der Befehl, das Ghetto Riga zu liquidieren, und so begann man
schon im Sommer 1943 mit der Auflösung der kleineren Kommandos. Viele
arbeitslose Menschen sandte man nach dem KZ-Lager Kaiserwald bei Riga.