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Lebensbedingungen im Ghetto Riga - Überlebensstrategien
Unsere Ernährung bestand aus verstunkenen Fischköpfen, Rhabarberblättern, Weißkohlabfall, verdorbenen kleinen Fischen, Brot in ganz kleinen Mengen. Kartoffeln gab es nie, nur die “organisierten”. Von einem Kommando, wo ich bei der SS Kartoffeln schälte, brachte ich die Schalen mit. Aber ich wagte nicht einmal eine Kartoffel drin zu lassen, weil wir dort nach der  Arbeit gleich kontrolliert wurden. Die Schalen haben wir dann tüchtig gewaschen und sie dann zu Speisen verwandt. Wir drehten sie durch die Mühle und machten Reibeplätzchen davon, aber ganz ohne Fett. Im Ghetto hatten wir in den Häusern ja Gelegenheit, selbst zu kochen.
Unser Vater machte, weil er schon 75 Jahre alt war, Hofdienst. Das war nicht so schwer, aber er musste immer da sein, selbst wenn das Wetter noch so schlecht war. Die Mutter hat im Haushalt gearbeitet und dazu noch Kinder betreut. Also, jeder musste arbeiten, sonst war bei dem nächsten Vernichtungstransport - als solche hatten wir sie nun schon erkannt - die Person fällig. 
Später arbeitete ich in einer Molkerei, da ging es uns dann etwas besser. Milch habe ich dann immer etwas mitgebracht, aber auch nur  versteckt. Ich trug kleine Säckchen an einem Gürtel, unter dem Kleid gebunden, sodass man es nicht sehen konnte. Aber mit Herzklopfen ging ich immer ins Ghetto rein. Auch schon beim Verlassen der Molkerei wurden wir kontrolliert. Als ich dann einige Zeit in der Molkerei gearbeitet hatte und schon etwas bekannt wurde mit den lettischen Arbeiterinnen,  fing ich auch an, verschiedene Sachen zum Tauschen mitzunehmen.