Nachdem der mörderische Krieg zu Ende war und man wieder Kontakt mit
anderen Menschen aufnehmen konnte, schrieb Lilly Strauss im Sommer 1945
im Auffanglager Tynningö Höganäs in Stockholm unter dem Briefkopf ihres
Mannes Joseph einen Rundbrief
an ihre Lieben, worin sie ausführlich über die Zeit der Gefangenschaft
berichtet.
Die Familie war zu dieser Zeit noch nicht wieder beisammen, und Emilies
Schicksal nach ihrer Deportation war noch nicht bekannt.
Joseph Strauss
Tynningö Höganäs
Stockholm I.
Meine sehr Lieben
!
Mit Euren Zeilen freuten wir uns sehr, denn wir sind ja so glücklich,
dass wir jetzt wieder mit allen lieben Verwandten und Bekannten in
Briefverbindung stehen können. Während unserer 3 ½ jähr. Gefangen-
schaft stand nämlich auf Briefverkehr die Todesstrafe. Wir hatten trotzdem solche
Wagehälse dabei, die auch tatsächlich ihr Leben dafür bezahlten. Eine kann ich sogar
nennen und zwar eine Frau Dr. Kramer aus der Gruppe Köln. Diese war halbarisch
und versuchte Verbindung zu bekommen mit ihren in Deutschland lebenden Ver-wandten. Es gab noch mehrere solcher Fälle. Aber es waren zu viele Gruppen im
Ghetto, um all die Fälle zu kennen. Die Gruppen wurden so eingeteilt wie die
Transporte ankamen.
Köln war der erste, dann kam unserer, der Kasseler Transport.