49
Eines Tages bekam ich Besuch von Sammy Nußbaum aus Hünfeld, er war als Besatzungssoldat in unserer Gegend. Das war praktisch die erste Verbindung zu meinem früheren Leben. Nachdem nun also die Amerikaner einmarschiert waren, habe ich mich viel bei den Soldaten aufgehalten, ich war ja ein aufge-weckter,  neugieriger Junge von 15 Jahren. Wenn die Soldaten eine brennende Zigarette wegschmissen, haben wir Kinder sie von der Straße aufgehoben und weiter geraucht.  Oft bettelten wir die  Soldaten an mit Sprüchlein wie: Cigarettes for papa, chocolate for mama, soap for the baby and chewing-gum  for me. Meistens bekamen wir auch etwas. Wahrscheinlich war es bei so einer  Gelegenheit, dass mich ein Amerikaner ansprach, ein deutsch-jüdischer Soldat aus New York namens Cahn.
  
Befreiung und Wiedervereintsein 
Alfred Strauss nach seiner Befreiung im Winter 1944/45 in Hoensbroek bei Familie Eisemann
Alfred wich dem Soldat nicht mehr von der Seite, war er doch für ihn eine erste Spur zu seiner verlorenen Familie. Die Nachricht von Alfreds Rettung erreichte über Cahns Frau in New York auf wundersame Weise Tante Tony Goldner geb. Wertheim, die sofort am 19. November 1944 an ihre Schwester Berny in Australien und andere Verwandte einen Rundbrief mit der guten Nachricht losschickte. - Dieser Cahn, der wohl nur kurze Zeit in Holland stationiert war, erzählte sogleich seiner Frau in New York in einem Brief von Alfred und zwar unabhängig von den
späteren Bemühungen des Leutnant Lipschütz, von dem wir noch hören werden.