47
Natürlich durfte ich mich während meines Aufenthaltes in diesen Familien nicht auf der Straße blicken lassen. Ja, was habe ich im Haus den ganzen Tag gemacht?  Unter anderem lernte ich Strümpfe stopfen, und ich habe viel gelesen. Es waren natürlich holländische Bücher und Zeitschriften. Nachdem ich über drei Jahre in Holland gelebt hatte, war die Sprache kein Problem mehr, mittlerweile konnte ich perfekt Holländisch. Mein Deutsch war schlechter als das Holländische. 
Außerdem hielt ich mich oft in unserem "warroom"auf, da beobachteten wir die Kriegslage.  Es gab nämlich im Erdgeschoss eine Falltür zu einem Raum unter dem Haus. Diese Falltür konnte man nicht zu sehen, sie war nur durch einen Schrank zu erreichen. In dem Keller hatte die Familie van Sweeden ein Radio stehen. Hier hörten wir immer die neuesten Nachrichten eines englischen Senders, auf Holländisch. Normalerweise war ja der Rundfunkempfang streng verboten. In diesem Kellerraum hatten wir auch eine Karte von Europa.  Gespannt haben wir hier den Verlauf des Krieges verfolgt und auf der Karte dann die  Frontlinien markiert. So konnten wir in etwa abschätzen, wie lange der Krieg noch dauern würde.  Und gegen Ende 1944 war  es schließlich so weit.
Wie die Amerikaner dann von Belgien her in den Süden von  Holland vorrückten und die Deutschen zurückwichen - daran kann ich mich noch gut erinnern. Wir waren in unserer Gegend mit bei den Ersten, die befreit wurden. Es war wohl November, als eines Abends um 5 Uhr eine amerikanische Patrouille kam. Die Soldaten sagten, sie würden am nächsten Tag den Ort einnehmen. Und tatsächlich marschierten die Amerikaner wie angekündigt tags darauf in Brunssum ein.


 
Untergetaucht im Süden von Holland