Von einem Unterschlupf zum anderen
Im Krankenhaus: Man brachte mich in das jüdische Krankenhaus in der Kaisergracht.
Da war ich aber auch unter Bewachung durch die Nazis. Schon nach ein paar Tagen
ging es mir wieder besser. Um mich trotzdem dort behalten und beschützen zu können,
verlegte man mich auf die Isolierstation, obwohl bei mir nichts Ansteckendes mehr war.
Aber die Nazis hatten Angst wegen der Ansteckungsgefahr, und so war ich dort erst
einmal sicher. Etwa drei Monate lang konnte ich dort quasi im Versteck bleiben. Ich bin
in diesem Krankenhaus auch Bar Mizwe geworden. Am 26. Mai 1943 wurde ich ja 13
Jahre alt. Dort war ein älterer jüdischer Mann, der immer mit mir gelernt und mir alles
für die Bar Mizwa beigebracht hat. Man hat auch versucht, dieses Ereignis ein wenig zu
feiern -soweit das unter den gegebenen Umständen möglich war - und ich bekam kleine
Geschenke, Bücher und noch ein paar andere Sachen.
Als ich in dieser Isolierstation lebte, lief das etwa so: Am Tag ging ich raus aus dem
Krankenhaus, habe eingekauft für die Schwestern und andere Besorgungen erledigt.
Abends ging ich zurück in die Isolierabteilung, wo ich geschlafen habe. Dort war auch
noch ein anderer Junge, er hieß, glaube ich, Kurt Löwenstein. Seine Schwester hat für
Walter Suskind gearbeitet, der eine wichtige Position im Jüdischen Rat (Joodse Rat)
hatte. Und er muss auch etwas mit der "Joodse Schouwburg" zu tun gehabt haben.
Suskind hatte eine kleine Tochter, und für sie war die Schwester von dem Kurt
Löwenberg oder Löwenstein als Kindermädchen angestellt, für den Kurt vielleicht eine
Art Protektion. Dass ich mich in dieser Klinik fast frei fühlen konnte und nicht von da
deportiert wurde, muss mit diesem Suskind zu tun gehabt haben. Ganz bestimmt bin ich
damals durch ihn von der Deportationsliste gestrichen worden.