Meine Schwester Milly und die Greetje Cohen, die sich in dem abgelegenen Zimmer
versteckt hatten, waren an diesem Abend nicht gefunden worden. Wir anderen - Frau
Cohen, die Cohen-Geschwister Hartog, Miriam und Samuel, der Junge namens Gärtner
und ich - sind also von der GESTAPO zur Joodse Schouwburg - früher ein bekanntes
jüdisches Theater - gebracht worden. Ungefähr um 22 Uhr spät abends kamen wir dort
an. An weitere Einzelheiten dieser Verhaftung kann ich mich nicht mehr erinnern. Es
ging alles so schrecklich schnell, da war keine Zeit zum Nachdenken und Angst haben.
Aber ich weiß noch genau, dass ich in dieser Situation von der Familie Cohen getrennt
wurde und von der Schouwburg an einen separaten Ort für Kinder kam. Die ca. 40 - 50
Kinder, die unter den Verhafteten waren, wurden vermutlich deshalb in ein anderes
Haus gebracht, weil sie in dem Theater nicht richtig übernachten konnten. In dieser
anderen Unterkunft waren Betten, wo die Kinder wirklich schlafen konnten. Und wir
bekamen auch zu essen dort. Natürlich wurden wir von der Nazi-Polizei bewacht.
In einem Gebäude gegenüber von der Schouwburg war ein jüdisches Pflegeheim, hier hat
man nur die Babys und Kleinkinder eingeliefert. Dort war meine Cousine Edith Meyer,
Tochter von Vaters Schwester Meta, als Krankenschwester beschäftigt.
Zu meiner Schwester Gertrud bei der Arztfamilie Cohen in Apeldoorn hatte ich von der
Verhaftung an bis zur Befreiung überhaupt keine Verbindung.
In dem Haus, in das man uns größere Kinder gebracht hatte, war ich nur für eine Nacht.
Dann wurde ich krank, eine Virus Infektion !