Die Milly hatte als Kind einmal Kinderlähmung gehabt,
und sie konnte aufgrund dieser früheren Erkrankung
nicht gut laufen. Auch die Tochter Greetje in der
Familie Cohen hatte eine Gehbehinderung. Daher hatten
wir für den Fall, dass die Nazis irgendwann kommen
und uns holen sollten, eine Verabredung getroffen: Es
gab in der Wohnung ein etwas abgelegenes Hinter-zimmer im dritten Stock, was man nicht so gut erreichen
konnte. Hier sollten sich die beiden Mädels verstecken.
Die Chance, dass sie die Nazis dort finden würden, war
gering. Ich erinnere mich, dass es in Amsterdam eine
Ausgangs-sperre gab. Den Juden war es nicht erlaubt,
sich nach acht Uhr abends auf der Straße aufzuhalten,
außer wenn sie einen speziellen Erlaubnisschein hatten.
Während dieser Ausgangssperren veranstalteten die
Nazis ihre Razzien. Fast jede Nacht hörten wir die
Einsatzwagen mit ihren Sirenen. Das bedeutete, dass
wieder eine Razzia war, um die Juden zur
"Schouwburg" zu schaffen zur späteren Deportation
nach Westerbork und weiter in den Osten! Wir hatten
immer furchtbare Angst, dass sie gleich kommen
würden, um uns zu holen.
Hollandse Schouwburg, Theater für
Shows und Kabarett - Seit Juli 1942
geschlossen und später aller Sitze
beraubt, diente die Schouwburg als
Sammelstelle für die verhafteten
Juden vor ihrem Abtransport in das
Durchgangslager Westerbork.