Zeitweise war die Rede davon, dass der
Deportationszug vom 1. Juni 1942 statt nach
Lublin-Sobibór nach Izbica gegangen sein soll. In
der Tat liegt Izbica auch im Bezirk Lublin, aber es
handelte sich nicht um ein Vernichtungslager,
sondern um ein Städtchen von etwa 6.000
Einwohnern, das wegen seiner überwiegend
jüdischen Bevölkerung von den Nazis zu einem
"Ghetto" ausschließlich für Juden gemacht worden
war. Da die Stadt am Rande einer Hügellandschaft
an einem Flussufer lag, reichten wenige Posten
aus, um die einzige Durchgangsstraße zu
überwachen. Die kleine Stadt wurde unter der
Schreckensherrschaft einer Handvoll Deutscher ein
Ghetto ohne Mauern oder, wenn man so will, ein
Lager ohne Stacheldrahtzaun. Platzte die Stadt
wegen "angesiedelter" Juden aus anderen Orten,
wurden Alteinwohner auf dem Marktplatz
zusammengetrieben, zum Bahnhof geführt, in
Waggons verladen und in die Vernichtungslager
Belzec oder Sobibór verfrachtet. Die letzten Juden
aus Izbica wurden wahrscheinlich am 23. April 1943
auf Lastwagen von Izbica nach Sobibór zur
endgültigen Vernichtung deportiert. Es ist
allerdings wohl unwahrscheinlich, dass die Höflichs
oder andere Insassen des Kasseler Zuges auf ihrem
Weg in das Vernichtungslager Sobibór vorher in
Izbica waren. Wir müssen davon ausgehen, dass
sie in Sobibór umgebracht worden sind.
Das Transitlager Izbica im
Bezirk Lublin.
Hier könnten Hilde und Gerda
Höflich auf dem Weg in das
Vernichtungs-lager Sobibór Anfang
Juni 1942 bereits umgekommen sein.