Fast alle Menschen, die in die Vernichtungslager
deportiert wurden, wurden mit dem Zug
transportiert. Wir kennen heute von allen mehr als
120 Eisenbahntransporten die Zugnummern, die
Abfahrtsorte, die Abfahrtszeiten, die
Ankunftsorte, die Ankunftszeiten, die ungefähre
Anzahl der Deportierten. In Kassel gingen drei
Sonderzüge ab. Die Landjuden aus den
umliegenden Orten des Regierungsbezirks wurden
am Tage davor nach Kassel als dem Sammelpunkt
transportiert und in Sammelunterkünfte
eingewiesen, wenn sie nicht schon nach den
Novemberpogromen im Jahre 1938 - wie im Falle
der Familie HÖFLICH - vorher gezwungen worden
waren, nach Kassel zu ziehen. Ich will nur zwei
Sammelunterkünfte nennen, weil sie eine
Beziehung zur Familie Höflich haben. Einmal das
Altersheim und Waisenhaus in der Großen
Rosenstraße 22, wo auch die kleine Gerda
untergebracht war. Zum anderen die sog.
Judenhäuser in der Schillerstraße 7 und 9, die
noch im Besitz von jüdischen Bürgern waren und
ausschließlich von jüdischen Bürgern bewohnt
werden durften. "In diese Wohnungen wurden
Juden, die aus dem Umland vertrieben wurden,
von der Geheimen Staatspolizeistelle in Kassel
eingewiesen, um sie von hier aus in Gettos und
Konzentrationslager zu deportieren. Nach jeder
Deportation wurden die 'freigewordenen'
Wohnungen wieder belegt." (Namen und
Schicksale, S.144)
Das rechte Haus auf dem Foto war das Jüdische Altersheim und
Waisenhaus in der Großen Rosenstraße Nr. 22 in Kassel. Das
Foto wurde nach den Ausschreitungen gegen die Kasseler Juden
am 7. November 1938 gemacht. Hier lebten die Höflichs nach
ihrem Wegzug von Rengshausen 1938/39.