Der jüdische Friedhof als Haus des Lebens
Der jüdische Friedhof ist für den gläubigen Juden
die wichtigste Einrichtung. Daher legen sie
größten Wert darauf, dass den Toten ihre
Grabstätte " für ewige Zeiten gesichert sein soll",
wie es im Talmud heißt.
Der nächste Friedhof für die Juden in
Rengshausen lag in Binsförth, etwa 14 km
entfernt. Es handelt sich um den ältesten
Friedhof in Nordhessen, etwa 350 Jahre alt. Er
war 200 Jahre lang Sammelfriedhof für alle Orte
um Spangenberg, Melsungen, Morschen und eben
auch Rengshausen, bis in der Mitte des 19.
Jahrhunderts in Spangenberg und Melsungen
ortseigene Friedhöfe errichtet wurden. Die
nächsten Friedhöfe befanden sich im Nordwesten
in Guxhagen und im Südosten in Rotenburg.
Wie fast alle alten Friedhöfe liegt der Friedhof in
Binsförth außerhalb des Dorfes auf einem
Gelände, das landwirtschaftlich kaum sinnvoll
genutzt werden konnte. Besucher, die sich den
Schlüssel beim Ortsvorsteher besorgt haben,
gelangen vom südlichen Ortsrand über die Straße
"Am Rotenberg" in einen Feldweg. Nach etwa 600
m stößt man auf den landschaftlich schön
gelegenen Friedhof auf der Flur "Im Siegen"
(früher "Im Siechen"), im Hintergrund das
beginnende Waldarreal der Wichter Höhe . Der
Holzzaun, der bisher den 5540 qm großen
Friedhof umgab, ist durch einen Metallzaun
ersetzt worden. Es kann nicht mit Sicherheit
gesagt werden, ob der benachbarte Esel-Graben
oder ein anderer Wasserlauf fließendes Wasser
lieferte, das bei allen jüdischen Friedhöfen
vorhanden sein muss.
Die Grabstelen bestehen fast durchweg aus
Sandstein. Mehr als die Hälfte der Grabsteine
enthält einseitig nur hebräischen Text, während
sich bei dem Rest auf der zweiten Seite auch
deutsch geschriebener Text findet. 251
Grabinschriften konnten von einer Expertin
entschlüsselt und übersetzt werden. Es gibt ein
nach Grabnummern versehenes Verzeichnis.
Davon gehören nachweisbar 12 Grabsteine zu
Personen, die in Rengshausen gestorben sind
(Familie Levi/Kaufmann, David und Heinemann).
Auf 5 Grabsteinen findet sich der Name HÖFLICH,
wobei drei HÖFLICHs in Rengshausen und zwei
verwandte HÖFLICHs in Beiseförth gestorben
sind.
Nathan Höflich war als Gemeindeältester auch
verantwortlich für die ordnungsgemäße
Durchführung von Beerdigungen und für die
finanzielle Mitbeteiligung an der Unterhaltung des
Totenhofes der Israeliten in Binsförth. Es liegt ein
Aktenstück aus dem Jahre 1859 vor, aus dem zu
ersehen ist, dass die jährlichen
Unterhaltungskosten 13 Reichstaler, 13
Silbergroschen und 4 Heller betrugen. Diese
Kosten wurden auf die einzelnen Gemeinden je
nach Steuerkraft umgelegt. Obgleich Nathan
HÖFLICH erst 1867 das Amt des
Gemeindeältesten übernahm, scheint er vorher
schon für das Bezahlen der Rechnungen
verantwortlich gewesen zu sein. Folgende
Korrespondenz liegt vor:
Klick: Schriftstücke betr.
jüdischer Friedhof Binsförth