Fast alle Mitglieder der HÖFLICH-Familie übten den
Beruf eines Handelsmannes aus. Immerhin besaß
Nathan HÖFLICHs Mutter schon einen Laden. Im 18.
Jahrhundert war nämlich das Halten eines kleinen
offenen Ladens noch verboten, und den Juden blieb
nichts anderes übrig als zu hausieren, also Nothandel
zu betreiben.
Es lässt sich nicht belegen, dass sich die jüdischen
Einwohner in Rengshausen an Geschäften mit Vieh und
Immobilien innerhalb von Rengshausen beteiligt haben.
Nachweisen lässt sich aber, dass beim Kauf und
Verkauf von Häusern und Grundstücken sehr oft
jüdische Händler als Mittler die Verhandlungen geführt
haben. In den meisten Fällen kamen diese Händler aus
Rotenburg.
Kehren wir zu unserem Nathan HÖFLICH senior zurück.
Obgleich seine Hoffläche sehr klein war und kaum Platz
für das Hantieren mit landwirtschaftlichen Geräten bot,
war er ganz sicher Nebenerwerbslandwirt. Zu unserer
großen Überraschung übte aber Nathan im Hauptberuf
ein Handwerk aus, er war Schneidermeister. Überliefert
worden ist ein Lehrbrief des Lehrlings Christian
Ellenberger aus einer christlichen Bauernfamilie, der
drei Jahre lang beim Schneidermeister Nathan HÖFLICH
den Beruf eines Schneiders gelernt und am 13. Januar
1848 seine Gesellenprüfung abgelegt hat. Der
Gesellenbrief wurde vom kurfürstlichen Oberzunftamt
ausgestellt. Aus dem Ausgaben-Journal der Gemeinde
Rengshausen erfahren wir außerdem, dass der
Schneidermeister 1873 für die Lieferung von Vorhängen
an die Schule 8 Reichsthaler und für die Anfertigung
von Kleidung für einen Dorfbewohner 6 Reichsthaler
aus der Gemeindekasse erhalten hat. Für eine
militärische Pflichtübung seines Sohnes Heinemann
zahlte die Kasse 1883 als "Meilengeld" 3,25 Mark.
Lehrbrief des Christian Ellenberger vom 13.
Januar 1848, Schneidermeister Nathan
Höflich war sein Lehrherr