Häusliche Verhältnisse
Im Jan. 1850 erwarb der 35jährige Nathan
HÖFLICH senior lt. Kaufvertrag vom
15.3.1849 Grundstück und Haus Nr. 7
(heute Dumen 1), 3 Jahre, bevor er 1853
heiratete. Damit bekam das alte
Fachwerkhaus zum ersten Mal einen
jüdischen Besitzer. Vielleicht hat es in der
Wohnstube so ähnlich ausgesehen wie auf
einem Aquarell einer fränkisch-jüdischen
Dorfstube. Wo Nathan vorher gewohnt hat,
wissen wir nicht. Das Haus soll aus dem 17.
Jh. stammen, wurde allerdings nach den
Steuerkatastern 1792 umgebaut oder neu
gebaut. Damals gehörten 5 Acker und 1 Kuh
dazu. Im Jahre 1888 befanden sich in dem
"Judenhaus" neben der Wohnung auch Stall
und Scheune. Das Anwesen blieb in der Hand
der Familie HÖFLICH bis zu deren Deportation
1942.
Eine Steuerliste der Gemeinde Rengshausen
aus dem Rechnungsjahr 1878/79 ist erhalten
geblieben. Nathan HÖFLICH musste 1,35
Mark an Grundsteuer und 1,80 Mark an
Gebäudesteuer zahlen, Beträge, die etwa
dem unteren Durchschnitt der anderen
Bürger entsprachen. Für die Gewerbesteuer
wurde er 1878/79 nicht veranlagt. Wie jeder
Bürger musste Nathan HÖFLICH eine
jährliche Prämie für die Hessische
Brandversicherungsanstalt zahlen, um im
Brandfalle versichert zu sein. Aus den
Unterlagen erfahren wir, dass das
Wohngebäude mit eingeschlossenem Stall
8,90 m lang und 7,50m tief war und zwei
Stockwerke besaß. Die kleine Scheune hatte
eine Länge von 4,20 m und eine Tiefe von
7,50 m. Bei der Berechnung der Prämie wurde
für das Hauptgebäude ein Grundwert von
1400 Mark und ein Neubauwert von 2100
Mark zugrunde gelegt, für die Scheune ein
Grundwert von 400 Mark und ein Neubauwert
von 600 Mark. Die Höhe der Jahresprämie
betrug damals 400 Mark. 1930 betrug die
gesamte Fläche der Hofreite mit dem Garten
3649 qm, im Jahre 1942 sogar 3907 qm. Die
Zufahrt zu dem Grundstück führte allerdings
über ein fremdes Grundstück.
Fränkisch-jüdische Dorfstube (nach einem Aquarell von
M. D. Harmann)