Nathan HÖFLICH soll nach amtlichen
Angaben bereits am 3. Juli 1942 in
Majdanek gestorben sein, also schon einen
Monat nach seiner Ankunft. Die
arbeitsfähigen Männer (unter 45 oder 55
Jahren) mussten nämlich ins südlich von
Lublin gelegene Vernichtungslager
Majdanek laufen und dort unter
unmenschlichen Bedingungen
Schwerstarbeit leisten.War er so
geschwächt, dass er einer Krankheit
erlag, ist er verhungert oder ermordet
worden? Die alten Männer und vor allem
die Frauen und Kinder fuhren noch am 3.
Juni weiter in das erst zwei Monate vorher
eingerichtete Lager von Sobibór, einige
Kilometer nordöstlich von Lublin.
Das Lager Sobibór war neben Belzec
ausschließlich als Vernichtungslager
eingerichtet worden. Jules Schelvis, einer
der wenigen Überlebenden, hat in seinem
erschütternden Buch "Vernichtungslager
Sobibór" Details mitgeteilt: Sobibór befand
sich abseits in einer dünnbesiedelten
Gegend, aber gut erreichbar, weil an der
Bahnlinie Chelm-Wlodawa an einem
Nebengleis gelegen.
Auf der Eisenbahnrampe wurden die
Deportierten in Empfang genommen.
Gleich nach ihrer Ankunft mussten sie in
der Entkleidungsbaracke Geld und
Wertsachen abgeben und sich ihrer
Kleider entledigen. Unter dem Vorwand,
sie sollten duschen, wurden sie durch den
"Schlauch", einen etwa 200 m langen, von
Elektrozäunen begrenzten und mit
Zweigen getarnten Gang in das "Bad"
geführt, das in Wirklichkeit eine
Gaskammer war. Daraufhin leiteten die
Täter die kohlenmonoxydhaltigen Abgase
eines Dieselmotors in die Kammern. Die
Leichen wurden nach versteckten
Wertsachen untersucht, ihre Goldzähne
herausgebrochen, die Haare abgeschnitten
und die Körper schließlich in
Massengräbern im Wald verscharrt, ab
Sommer 1942 verbrannt. Im Oktober
1942 gingen in Sobibór sechs neue
Gaskammern in Betrieb, in denen rund
1.300 Menschen gleichzeitig umgebracht
werden konnten. Über 250.000 Menschen
sind dort innerhalb von 15 Monaten
ermordet worden. Betrieben wurde das
fast industriell betriebene
Vernichtungslager von etwa 40 SS-Angehörigen und etwa 100 sowjetischen
Kriegsgefangenen ukrainischer Herkunft.
Als Mitwisser des Verbrechens wurden
die Helfershelfer in regelmäßigen
Abständen von der SS umgebracht und
durch neue Häftlinge ersetzt. Da keine
Namenslisten angelegt worden sind und
das Lager Ende 1943 dem Erdboden
gleich gemacht wurde, um alle Spuren zu
verwischen, wissen wir nur, dass alle
Deportierten wenige Stunden nach ihrer
Ankunft in Sobibór umgebracht worden
sind. Sie gelten offiziell als "verschollen".
So auch Hilde HÖFLCH und ihre 10-jährige Tochter Gerda. Kein Jude, der im
Zug "Da 57" von Kassel nach Sobibór
transportiert worden ist, hat den
Holocaust überlebt.
Die Rampe von Sobibór, an dieser Stelle hielten die Deportations-züge.
In den 16 Monaten, in denen das Vernichtungslager bestand, wurden dort
zwischen 200.000 und 250.000 Menschen sofort nach ihrer Ankunft in
Gaskammern mit Kohlenmonoxyd vergast; ihre Leichname wurden
verbrannt. Die Einrichtungen wurden später von der SS zerstört.
Klick: Transport ins Vernichtungslager Sobibór