Seite
Projekt Jakob/Jack Hahn
Das gleiche Schicksal wie Aron Hahn, die Deportation und der gewaltsame Tod, war auch Jack Hahns Mutter Rosa Hahn, geb. Nußbaum, beschieden. Rosa Hahn hatte man im Dezember 1938 gezwungen, ihr Haus in der Klausstraße an die Stadt Hersfeld zu verkaufen. Als dann ihr schwerkranker Ehemann Adolf Hahn wenige Wochen danach, am 5. März 1939, verstarb, fasste Rosa Hahn - zusammen mit den Levis aus der August-Gottlieb-Straße 12 (Thekla Levi war Rosas ältere Schwester) - den Entschluss, die Lullusstadt zu verlassen. Die Hoffnung, in der Großstadt Frankfurt ein weniger bedrohtes Leben zu führen, erwies sich jedoch als trügerisch. In der Liebigstraße 24 fanden Rosa Hahn, ihre Schwester und ihr Schwager Jakob Levi ab 15. April 1939 zwar zunächst ein ruhigeres Quartier, zwei Jahre später war jedoch ihr dortiger Aufenthalt zwangsweise beendet. Sie gehörten zu der ersten Gruppe Frankfurter Juden, die in den Osten deportiert wurden. Am 19. Oktober 1941, einem Sonntag, teilten Rosa Hahn, Thekla und Jakob Levi das Schicksal von weiteren 1200 jüdischen Opfern, die zu diesem Termin von Frankfurt aus in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert wurden, wo sich ihre Spur verliert. Mit großer Wahrscheinlichkeit führte ihr Weg von dort in die Gaskammern von Auschwitz, wie Rosa Hahns Sohn Jack beim Studium des Archivmaterials in der Gedenkstätte Yad Vashem (bei Jerusalem) schmerzlich erkennen musste.
Der aus Rotenburg stammende Frankfurter Rabbiner Leopold Neuhaus war von der Gestapo gezwungen worden, noch am Tag vor der Deportation  Gerüchte über eine drohende Massenverschleppung  Frankfurter Juden energisch zurückzuweisen. Eine Zeitzeugin, damalige Mitarbeiterin der jüdischen Gemeindeverwaltung in Frankfurt, erinnert sich: "Am Sonntag, morgens 7 Uhr, wurden die auf der Liste befindlichen Personen von SA-Leuten aus ihrer Wohnung geholt. Sie bekamen etwas Zeit, unter Aufsicht einige Sachen einzupacken, und wurden dann geschlossen durch die Stadt zu Fuß zur Großmarkthalle geführt. (...) Der Zug ging durch die Stadt am hellen Tage. Rechts und links standen die Menschen und sahen sich stumm im dichten Spalier den Zug an. (...) Nach dem Bericht des Friedhofsverwalters Fiebermann (...) soll es dort in der Nacht schrecklich zugegangen sein mit Mißhandlungen usw. Am andern Tag erfolgte die Verladung. Die SA-Leute sagten, der Zug käme nach Litzmannstadt, in ein sehr geordnetes, schönes Ghetto."
Von den über 1.100 am 19. Oktober aus dem Frankfurter Westend Deportierten erlebten bei Kriegsende 1945 nur drei ihre Befreiung.


  
Jack Hahns Mutter Rosa (links), deren Schwester Thekla (Mitte) mit Ehemann Jakob Levi (rechts) wurden Opfer des Holocaust. Sie gehörten zu dem ersten Massentransport in die Vernichtungslager, der im Oktober 1941 in Frankfurt zusammengestellt wurde.


  
© Otto Abbes