Nachdem wir also nun glücklich unser Visum hatten, fuhren wir mit einem Trup-penschiff von Shanghai aus nach New York zu meiner Familie. Es gab nämlich
noch keinen regelrechten Passagierverkehr. Natürlich war es zur damaligen Zeit
auch in Amerika sehr schwer, Fuß zu fassen. Anfangs konnte ich bei einer
Import-Export-Firma unterkommen. Später arbeitete ich dann in einem anderen
Betrieb. Meine Brüder waren in der Möbelbranche als Polsterer tätig, die konnten
mir da auch nicht behilflich sein. Auch war es 1947 sehr schwer in New York eine
Wohnung zu bekommen. Man musste wieder "keymoney" bezahlen. So lebten wir
zuerst bei meiner Mutter, später dann in einer eigenen Wohnung. Aber wir muss-ten in einen furchtbaren Bezirk ziehen, in die damals berüchtigte Süd-Bronx.
Obwohl ich die ganzen Jahre hindurch sogar sehr befreundet war mit der Firma,
bei der ich arbeitete, war der Manager etwas eifersüchtig auf mich. Ich hatte da
tatsächlich auch einiges geleistet. Aber eines Tages trennten wir uns auf freund-liche Art, und ich machte mich selbständig. Ich fing ganz klein an, habe geschuftet
wie verrückt, da gabs keinen Samstag und keinen Sonntag. Oft war ich wochen-lang unterwegs, meine drei Töchter, die in den Jahren 1949, 1956 und 1960
geboren wurden, habe ich kaum aufwachsen sehen. Das war wohl der Preis."
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