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 Heirat im Ghetto
  
Im Oktober 1944 heiratete ich Hansi Freund, die Tochter eines Wiener Arztes. Sie war mit ihren Eltern nach Shanghai geflüchtet, wie ich, und ich hatte sie während eines Japanisch-Sprachkurses ken-nengelernt. Eines schönen Tages, am Ende einer Unterrichtsstunde, war mir von einem Chinesen eine attraktive junge Dame aus einem anderen Japanischkurs vorgestellt worden, eine Emigrantin aus Wien. Na ja, so hatte das mit meiner Frau damals angefangen. Die Hansi hat-te eine einigermaßen gute Stellung bei einer Schweizer Versicherungs-agentur in dem Ghetto-Bezirk. Nach unserer Heirat wohnten wir weiter oben drin in dem Haus des Japaners, das inzwischen an einen Chinesen verkauft war. Es gab kein Bad, und die Toilette war ganz un-ten. Aber im Vergleich zu anderen Häusern war es noch recht akzep-tabel. Die Toilette war schon fast ein Wunder gewesen. Denn die meisten Häuser in dem Ghetto hat-ten überhaupt keine Toilette. Man benutzte Nachttöpfe, am Morgen wurde der Inhalt dann durch Toilet-tenwagen abgeholt. Es war alles sehr primitiv.

  
Heiratsurkunde auf Chinesisch