Vernichtete Existenz und Neuanfang im Ghetto
Auf Weisung der japanischen Militär-machthaber sollten die in dem Ghetto-
Bezirk lebenden Japaner ihre Wohnun-gen verlassen und für die staatenlo-
sen Flüchtlinge zur Verfügung stellen.
Das Ghetto lag neben einem größeren von Japanern bewohnten Stadtteil, und
manche Japaner hatten noch ein Haus in diesem Ghetto-Bezirk. Natürlich lebten
hier schon immer Chinesen, von denen auch die meisten wohnen blieben. Sie
konnten sich zwischen Ghetto und der übrigen Stadt frei bewegen. Nachdem jetzt
Tausende von Emigranten dazu kamen, herrschte ein unvorstellbares Gedränge,
man konnte kaum ein Zimmer kriegen. Weil es nicht genügend Wohnraum gab,
mussten viele Juden in primitivste Barackenlager ziehen. Da hatte ich auch wie-der ein bisschen Glück: Mit einem Japaner, dem Mr. Coda (Foto Seite 27, links
stehend), der für meinen vorigen Partner Mr. Ito arbeitete, war ich so ein biss-chen befreundet. Der hat mich direkt bewundert, dass ich den Mut hatte, den Ito
rauszusetzen. Mein Freund besaß zufällig ein Haus in diesem Gettho-Bezirk. Er
hat mich reingenommen in das Haus, ohne dass ich dafür eine sonst übliche Ge-bühr, das “keymoney", bezahlen musste, was sehr nett war. Nach dem Krieg ha-be ich ihm dann auch geholfen, als alle Japaner von den Chinesen repatriiert wur-den. Er hatte zehn Mädchen und einen Jungen. - Ich mietete also
in Mr. Codas
Haus ein Zimmer, und das Büro in der Stadt musste ich aufgeben, ich bekam
keinen einzigen Cent. Das bedeutete für mich die Vernichtung meiner mühsam
aufgebauten Existenz,