Das Elend war groß, man musste sich durchschlagen
Man versuchte allesmögliche, um sich
durchzuschlagen, mit Stoffen hausieren
oder sonstwas. Viele der Emigranten
gingen in die Büros der ausländischen
Firmen -der Engländer, Amerikaner und
auch der Deutschen. Sie bettelten dort
um Aufträge, wie Hausieren mit Stoffen
oder mit anderen Sachen. Mein Bruder
war, wie ich ja auch, in Deutschland in
der Konfektionsbranche tätig gewesen.
So taten wir uns nach kurzer Zeit mit
einem anderen Herrn zusammen. Henze
hieß der, ein Deutscher, aber kein Jude.
Er war mit einer Jüdin verheiratet und
wanderte aus Treue zu seiner Frau mit
ihr zusammen aus. Wir konnten in aller
Kürze ein kleines Geschäft pachten, in
einer ziemlich guten Lage. Der Henze
war von Beruf Schneider, wir passten
also gut zusammen. Es war für uns von
Vorteil, dass mitunter reiche Chinesen in
dem Glauben waren,man bekäme bei
den Europäern bessere Qualität als bei
den chinesischen Schneidern. Doch bei
allem hatten wir auch viel Glück. Die
große Masse der jüdischen Emigranten
lebte ja in unvorstellbarer Armut. Einige
kamen mit etwas Geld an und machten
zum Beispiel so ein kleines Restaurant
auf, verkauften Brötchen und Würstchen
und ähnliche Sachen. Das machten nur
die jüdischen Emigranten, sie versuchten
sich damit über Wasser zu halten. Sehr
schwierig war es für viele Intellektuelle,
sich in dem harten Existenzkampf zu
behaupten. Je gebildeter einer mitunter
war, umso dreckiger ging es ihm. Da
gab es Professoren, die waren ziemlich
hilflos und konnten in diesem Chaos
überhaupt nichts mit sich anfangen. Zum
Beispiel habe ich in dem Haus, in dem
ich später wohnte, miterlebt, wie eines