Das Elend war groß, man musste sich durchschlagen
Nach der Ankunft in Shanghai nahm sich eine örtliche
jüdische Hilfsorganisation der Flüchtlinge an. Es
waren dort nämlich ein paar reiche sephardische
Juden ansässig, so zum Beispiel ein Sir Victor
Sassoon und zwei weitere namens Kardoon und Har-doon. Sie besaßen alle die englische Staatsangehö-rigkeit, und sie hatten diesen Hilfsverein eingerichtet.
Zunächst brachte man uns in einem Heim dieses
Hilfsvereins in einem großen Gebäude unter. Da
schliefen wir ein paar Nächte auf Feldbetten. Manche
wurden dann auf andere Heime verteilt, die wieder
von anderen Hilfskommittes jahrelang unterhalten
wurden. Den meisten Flüchtlingen ging es sehr
dreckig, manchen ist es aber auch gelungen, sich
irgendwie zu ernähren, insbesondere den jüngeren
Leuten. Gott sei Dank gehörte ich auch dazu, aller-dings war es enorm schwer, aus dieser miserablen
Situation herauszukommen. In Ländern wie den USA,
Südamerika, Brasilien, Argentinien oder Australien,
konnte man tags Geschirr waschen und sich abends
gut anziehen. Da war man trotzdem ein Gentleman.
Bald nach seiner Ankunft musste
Manfred beim deutschen General-konsulat den Zwangsnamen Israel
beantragen, den die Nazis den
Juden ab 1.1.1939 verordnet
hatten.
In Shanghai war das nicht
möglich, die grobe Arbeit
wurde von Chinesen, von
den Kulis erledigt. Es war
völlig undenkbar, dass ein
Weißer so etwas machte.